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„Digitalisierung – nur eine technologische Veränderung?“

33. Fachveranstaltung

 

Donnerstag, 30. März 2017

ab 8.45 - 16.30 Uhr

Bundeshaus in Bern

Inhalt

Findet die Digitalisierung im Kopf und im Kleinen statt? Wie wichtig ist die innovative Unternehmenskultur? Welche Rolle spielt dabei die Zusammenarbeit und was für Risiken und Chancen entstehen?

 

 

Rückblick

Generalversammlung und Jahrestagung 2017

Die Generalversammlung und die Jahrestagung des Netzwerks Risikomanagement 2017 fanden heuer erstmals im Frühjahr und überdies an prominentem Ort – dem Bundeshaus – statt. Die Präsidentin Nicole Heynen blickt mit ihren VorstandskollegInnen auf ein ergebnisreiches Geschäftsjahr 2016 zurück. Vier attraktive Fachveranstaltungen boten den Mitgliedern Gelegenheit, ihr Wissen zu aktualisieren und im informellen Austausch zu vertiefen. Ebenso konnte die Vernetzung mit anderen Organisationen durch die neue Partnerschaft mit Swiss FEA (Swiss Financial Experts Association) weiter ausgebaut werden. Die Mitgliederzahl hat im 2016 bei geringer Fluktuation erneut leicht zugenommen. Nachdem die Generalversammlung Jahresbericht, Jahresrechnung und Budget des Folgejahres jeweils ohne Gegenstimme und Enthaltungen angenommen und die Organe entlastet hat, wurde Walter Holenstein ebenfalls einstimmig zum Ehrenmitglied des Netzwerks RM ernannt. Der Vorstand amtet im 2017 in unveränderter Zusammensetzung.

Unter dem Titel „Digitalisierung – nur eine technologische Veränderung?“ stand ein hoch aktuelles Thema im Fokus der anschliessenden Jahrestagung. Nachdem der Computer bereits vor mehr als 30 Jahren seinen Weg in unsere Stuben, Büros und Werkhallen gefunden hat, ist die zweite Phase der Digitalisierung eine Generation später in vollem Gang. Sie durchdringt Kommunikation und Konsum, prägt Form und Herstellung von Gütern und Dienstleistungen, eröffnet neue Chancen – und damit neue Risiken. Knapp hundert Teilnehmende verfolgten gespannt die Ausführungen zu drei besonderen Aspekten dieses rasanten Wandels.

In einem ersten Referat erläuterte Noël Bieri, Leiter Regulierung Finma, die Entwicklungen im Bereich FinTech und deren Herausforderungen für die Finanzmarktaufsichtsbehörde der Schweiz: Wie geht die Finma mit neuen Geschäftsmodellen wie Crowdfunding oder Kryptowährungen (z.B. Bitcoin) um? Wie kann sie ihren Hauptauftrag – Schutz der Anleger sowie funktionsfähiger Finanzmärkte – erfüllen und gleichzeitig zu einem innovations- und wettbewerbsfreundlichen Klima im Finanzstandorts Schweiz beitragen? Welche Digitalisierungsrisiken hat sie als Regulatorin zu bewältigen? lauteten die wichtigsten Leitfragen des Referats.

Im zweiten Vortrag diskutierte Marco Zollinger, Leiter Strategie & Konzepte im Multichannel Management der Zürcher Kantonalbank ZKB, welche Faktoren und Argumente eine regional verankerte Grossbank wie die ZKB bei der Optimierung der Vertriebsstrategie zu berücksichtigen hat. Zwar gewinnt der Online-Kanal laufend an Bedeutung, jedoch spielt die persönliche Beratung weiterhin eine zentrale Rolle. Wichtig ist das richtige Zusammenspiel der Kanäle, wobei die Erlebnisperspektive der einzelnen Kunden im Zentrum stehen muss. Werden die Chancen des technologischen Wandels falsch gelesen und die Kundenbedürfnisse unzureichend verstanden, steigen die strategischen Risiken. Dies kann zum Verlust von Marktanteilen und letztlich einer schlechteren Ertragslage führen.

Besonders akzentuiert manifestieren sich diese Herausforderungen im Detailhandel, wie Thomas Rudolph, Ordinarius an der Hochschule St. Gallen HSG und Direktor des Forschungszentrums für Handelsmanagement, in seinem Referat über Disruptive Veränderungen im Handel eindrücklich aufzeigte. Im ersten Teil wurden drei grundlegende Quellen von disruptivem Wandel erörtert, nämlich (a) technologische Innovation (z.B. Robotik), (b) neue Ertragsmodelle (z.B. Online-Handel) und (c) Änderungen im Konsumverhalten (z.B. Einkaufstourismus, Nutzung neuer Angebotskanäle). Wichtigste gemeinsame Voraussetzung für disruptive Veränderungen ist dabei, dass neuartige Geschäftsmodelle durch die Konkurrenz systematisch unterschätzt werden („…das wird nie was.“). Im zweiten Teil präsentierte der Referent neueste empirische Ergebnisse aus der Langzeitstudie seines Instituts zur Internetnutzung in der Schweiz (www.alexandria.unisg.ch/239874/). Die richtige Wahl des Cross-Channel-Angebots (CCA) für stationäre Detaillisten zählt in der Folge zu den bedeutendsten Herausforderungen. T. Rudolph zieht sein Fazit mit drei Handlungshinweisen für Detailhandelsfirmen: 1. Der Übergang zum CCA braucht Zeit und ist mit vorübergehenden Ertragseinbussen verbunden (Konkursgefahr); 2. Ein gutes CC-Management muss das Leistungsversprechen des Anbieters stärken (Beispiel: Zara); 3. CCA sind nur nutzbar, wenn damit Synergien erschlossen werden können; dabei sind motivierte und gezielt ausgebildete Mitarbeitende ein kritischer Erfolgsfaktor. Dass einem angesichts des Internets der Dinge seiner möglichen Szenarien manchmal gschmuech werden kann, belegt der abschliessend gezeigte Satireclip zum Thema Smart Home (https://www.youtube.com/watch?v=yZn0r4ik0fI).

Unter Moderation von N. Heynen diskutierten anschliessend M. Zollinger, T. Rudolph und S. Jäggi, Ressortleiter Wachstum und Wettbewerbspolitik im Seco, ergänzende Fragen aus dem Podium und dem Publikum.

Nach einem ganz und gar analogen (und feinen) Mittagessen im Grand Café der Galérie des Alpes im Bundeshaus gab Andreas Wortmann, Leiter Infrastruktur der Parlamentsdienste, einen kurzen Überblick über die Integrale Sicherheit im Bundeshaus. Zusammen mit dem Team Integrale Sicherheit führte er die Tagungsteilnehmenden in einer exklusiven Besichtigung durch die Hallen und Säle des Bundeshauses, gespickt mit viel Wissenswertem und Amüsantem. So wissen wir – rechtzeitig zum 1. April – nun auch genau, wo der Maler Charles Giron 1901 auf dem Gemälde im Nationalratssaal seinen poisson d’avril versteckt hat.