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ESG und die aktuellen Herausforderungen

Rückblick

Die Fachveranstaltung vom 23. März 2023 stand ganz im Fokus der neuen regulatorischen Vorgaben zur nicht-finanziellen Berichterstattung. Immer mehr wird von Unternehmen verlangt, dass sie gegenüber ihren Stakeholdern fundiert Rechenschaft über ihr Handeln in den Bereichen Umwelt (Environment), Soziales (Social) und verantwortungsvoller Unternehmensführung (Governance) – kurz ESG – ablegen. Die Konsequenzen bei Nicht-Einhaltung werden immer greifbarer und mögliche Strafen immer drakonischer, daher sind Führungskräfte einer grösseren Notwendigkeit ausgesetzt, die Governance über ESG-bezogene Daten und Kennzahlen proaktiv zu steuern und zu überwachen. Die verstärkte Klimadiskussion in der Gesellschaft tut ihr übriges. In unserer Fachveranstaltung deckten wir mit drei Expertinnen Buchstabe für Buchstabe – E – S –  G – ab. Wir zeigten auf, was es für die Berichterstattung Neues zu beachten gibt und was nur «alter Wein in neuen Schläuchen» ist, bzw. schon in gängigen Risikokontroll-Frameworks abgebildet sein sollte.

Den Auftakt bildete Corina Grünenfelder, Director Financial Services und Aktuarin bei Ernst & Young. Sie erörterte die Gesetzeslage und die Anforderungen an gute Unternehmensführung, das G, welches wiederum die Grundlage für ein gutes E und S bildet. In der EU gab es zuerst die NFRD, welche momentan schrittweise zu den CSRD ausgearbeitet werden. In der Schweiz gibt es den Gegenvorschlag der Konzernverantwortungsinitiative (KVI oder engl. RBI), welche drei Vorgaben mit fünf Belangen enthält, unter anderem Anforderungen hinsichtlich der Sorgfaltsprüfung bei der Berichterstattung von ESG-Daten und KPIs. Letztere sind bei der Umsetzung unabdingbar, denn nur so kann gemessen, analysiert und verglichen werden. Gleichwohl ist bei multinationalen Unternehmen wichtig, dass die Governance sauber aufgesetzt und ein koordinierter, harmonisierter Ansatz gefahren, wird denn viele ESG-Themen sind länderübergreifend überlappend. Für die organisatorische Einbettung der ESG-Thematik hat sich bis dato keine klare Tendenz etabliert. Entsprechend werden abschliessend die Vor- und Nachteile bei zentralem, dezentralem oder gesamtheitlichem Ansatz der ESG-Thematik in der Unternehmensorganisation erläutert.

Katja Rieger, Gründerin und Management Director der Ripple Effect GmbH, zeigte auf, dass ein grosser Teil der Risiken im S mit dem Faktor Mensch zu tun haben und dementsprechend viele Stellhebel im Bereich HR liegen. Themen wie Kinderarbeit, Machtmissbrauch, Sexuelle Belästigung etc. sind nicht schwammig, sondern mit den ESG-Regeln klar definiert. Die Risiken in diesen Bereichen kosten uns sehr viel mehr als wir denken. Die «Mental Health» von Arbeitnehmern am Arbeitsplatz hat sich nach der Pandemie nicht unbedingt verbessert und der Umgang damit hat somit auch wieder mit guter Führung und Governance, sowie den eigenen Unternehmenswerten zu tun. Die Erwartungen an Unternehmen, im S-Bereich Gutes zu tun, steigen nicht nur aufgrund regulatorischer Vorgaben, sondern werden zunehmend von Mitarbeiter-, Kunden- und Aktionärsseite eingefordert. Diese Themen zu ignorieren und nichts zu tun kann sich kein Unternehmen mehr erlauben.

Von Fiona Trachsel, CEO der ewp AG, erfuhren die Teilnehmer, dass wir im 2023 leider noch weit davon entfernt sind, die 17 Nachhaltigkeitsziele der UN (SDG) zu erreichen, darunter viele Klimaziele, wie CO2-Ausstoss. Die Risiken im Bereich des E sind immens, der Schaden teils irreparabel. Verlust der Biodiversität, Verschmutzung, Überfischung und Ressourcenknappheit sind nur einige Beispiele. Das E der ESG-Gleichung ist die komplexeste Aufgabe, welche bei einer Weltbevölkerung von 12 Milliarden in einigen Jahren nur mit Kreislaufwirtschaft und net-zero Zielen zu bewältigen ist. Es wird von Unternehmen erwartet, dass sie ihre Wertschöpfungskette wo immer möglich dekarbonisieren und Ressourcen schonende Produkte auf den Markt bringen. Fehlende Kennziffern und Aktivitäten in der E-Thematik können ein Reputationsrisiko in der Gesellschaft, aber auch ein Risiko bezüglich der Arbeitgeberattraktivität (Stichwort «war of talents») bilden.

In der abschliessenden Podiumsdiskussion wurde von den anwesenden Referentinnen nochmals mit aller Deutlichkeit unterstrichen, wie wichtig die Authentizität in der ESG-Berichterstattung ist. Wer seinen ESG-Bericht für den Regulator schreibt oder einen Hochglanzprospekt ohne Bezug zur eigenen Unternehmensidentität produziert, wird rasch entlarvt sein und den Mehrwert der Berichterstattung, im Sinne einer Überzeugungshaltung der Unternehmung zur Nachhaltigkeit, nicht einfahren können.

Die Dokumente finden Sie hier:

Die Folien finden Sie nachfolgend im PDF zum Herunterladen:

Christian Müller

Aktuell:
Koordinator Risikomanagement Bund bei der Eidgenössischen Finanzverwaltung

Stationen:
Möbel Pfister AG, Sanitas Troesch AG

Ausbildung:
Ingenieur FH in Holztechnik / MAS MTEC ETH Zürich

„Risikomanagement ersetzt Führung nicht, hilft als Führungsinstrument aber dabei, Chancen, Unsicherheiten und Gefahren bewusst und proaktiv anzupacken und damit kritische Probleme zu vermeiden.“

Vezira Mesic

Vorstand von 2020 bis 2023

Jens Meissner

Vorstand von   bis 2022

Bertrand Volken

Aktuell:
Chief Sustainability Officer der Visana

Stationen:
Qualitäts- und Projektmanagement, Leiter Unternehmensentwicklung, Visana Services AG

Ausbildung:
Universitätsabschluss (lic.rer.pol. / Master of Science) an der volkswirtschaftlichen Fakultät, Bern

Ein effizientes Risikomanagement sichert u.a. den optimalen Prozessoutput. Ein gutes Netzwerk bietet mir dazu wertvolle Inputs für die Umsetzung im Tagesgeschäft.

 

Bettina Hübscher

Aktuell:
Juristin und Risikomanagerin bei der Hochschule Luzern/Wirtschaft, Dienststelle Militär, Zivilschutz & Justizvollzug Kanton Luzern und beim WISZ

Stationen:
Advokaturtätigkeit, Tätigkeit im öffentlichen Gemeindemanagement und als Geschäftsführerin eines Parahotellerie-Betriebs

Ausbildung:
Lehrerseminar, Studium Rechtswissenschaften Master of Law, MAS Risk Management, CAS Grundlagen Mediation

„Die einzigen Dinge, die man im Leben wirklich bereuen sollte, sind die Risiken, die man nicht eingegangen ist.“

Tanja Matetic

Vorstand von    bis 2022

Brigitte Christ

Aktuell:
Stellvertretende Direktorin der Eidgenössischen Finanzkontrolle

Stationen:
Start der beruflichen Entwicklung in der klinischen Forschung, gefolgt von diversen Stellen in der Internen Revision (z. B. Schiesser AG, Deutsche Bank AG, Zurich Financial Services) und der Externen (IT) Revision. Diese Linie wurde immer wieder bewusst unterbrochen durch Tätigkeiten in der «1. Linie» (z. B. IKT-Entwicklung, Beratung, COO-Rolle) bzw. «2. Linie» (operationelles Risikomanagement & IKS).

Ausbildung: 
Med. Dokumentationsassistentin, Dipl. Betriebswirt (BA), Fachrichtung Wirtschaftsinformatik

Wir machen es einfach: «Sapere aude!»